Geschichte / Entwicklung / Zeitreise

 

Faszination des Trampolins und seine Entwicklung

Manche behaupten, dass das erste Trampolin von den Eskimos erfunden wurde. Angeblich mit gespannten Häuten von Walrössern konnten sie im Falle eines Feuers die Menschen, die sich durch einen Sprung aus dem Fenster retten wollten, dann auffangen. Die Funktion des damaligen Trampolins ähnelte einem modernen Sprungtuch.

Es gibt auch Dokumente aus Großbritannien, die berichten, dass sich Sportler gegenseitig mit Hilfe von trampolinähnlichen Geräten gegenseitig in die Luft warfen. Wahrscheinlich handelte es sich dabei nicht um die ersten Trampoline, aber um die ersten dokumentierten Trampolinsprünge bei Veranstaltungen, um so etwas dem dortigen Publikum vorzuführen.


NISSEN - Die Anfänge des Trampolins in den USA

Im Jahre 1928 bauten Larry Griswold (1905-1996) und George Nissen (1914-2010) in den USA das erste Trampolin, den Prototypen. Die beiden Turner lernten sich in Iowa an der Uni kennen. Griswolds Leidenschaft war die Akrobatik, die er später auch als Beruf ausübte. 1973 musste er aufgrund einer Verletzung seine tolle Karriere im Showgeschäft beenden.
Das Trampolin diente zunächst ausschließlich der Unterhaltung. George Nissen, ein Mitglied der „Artistengruppe Leonardos", wurde durch seine Vorführungen in den USA und in Mexiko auf dem Trampolin bekannt. 1939 entwickelte er ein eigenes Gerät und ließ es patentieren. Das Gerät bestand aus einem einfachen Stahlrahmen, Leinwänden und alten Autoschläuchen. Von mexikanischen Turmspringern hörte Nissen die Bezeichnung „Trampolin“ für diese Art von Sprunggeräten. Er übernahm den Namen und ließ ihn in USA markenrechtlich schützen.
 
Georg Nissen  begann mit der Produktion von wohnzimmergroßen Trampolinen. Am Anfang bestand nur Interesse bei Schulen und Ferienlagerorganisationen. Die Kinder waren von Anfang an von dem neuen Sportgerät begeistert.    
Als die Amerikaner in den 2. Weltkrieg eintraten, konnte Georg Nissen das amerikanische Militär von diesem einzigartigen Sportgerät überzeugen. Mit Hilfe des Trampolins konnten Piloten und Fallschirmspringer optimal auf ihren Gleichgewichts- und Orientierungssinn geschult werden.  Unter den Luftfahrern, die darauf trainierten, war der spätere Astronaut Scott Carpenter, der sich auch nach Kriegsende mit dem Sprunggerät für seine Mission ins All vorbereitete. Erst am Ende des 2. Weltkriegs brach in Amerika ein wahrer Trampolin-Boom aus, da immer mehr Sportler das Gerät für ihre sportliche Fitness benutzten. Erst danach kam das Interesse bei den Normalbürgern an. Nissen verbesserte immer wieder seine Erfindung z.B. durch Sprungmatten aus Nylon. Die Armee hat diese eigentlich für die Herstellung von Fallschirmgurten, entwickelt. Auch versuchte Nissen, sich immer wieder neue Figuren anzueignen. Er merkte sehr schnell, dass es für ein Publikum wirklich unterhaltsam war, wenn er diese Darbietungen vorführte. Somit war dies der Anfang einer neuen Sportart!


Das Trampolinturnen gehört zu den Sportarten mit der höchsten Konzentration und kürzester Reaktionszeit. In Sekundenbruchteilen muss der Springer entscheiden, was er turnen kann, bzw. darf. Perfekte Körperbeherrschung, schnelle Auffassungsgabe und auch ein wenig Mut sind gute Voraussetzungen für diesen Sport.

 

Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Deutsche Meisterschaften

Die Weltmeisterschaften (WM) finden immer in den geraden Jahren statt und die Europameisterschaften (EM) in den ungeraden Jahren. 1998 fanden WM und EM im gleichen Jahr statt. Das System musste umgestellt werden, damit die WM, die als Qualifikation für die Olympischen Spiele galt, in einem ungeraden Jahr stattfinden konnte. Danach war der Rhythmus 1999 WM, 2000 EM und dann wieder 2001 und 2003 etc. WM und 2002 und 2004 etc. EM. Mittlerweile gibt es aber auch jedes Jahr eine EM.  In den ungeraden Jahren fanden jedoch nur eine Einzel- und Synchron-EM sowie Doppelmini und Tumbling Einzel statt (keine Mannschaften).


Es gab mehrere Worldcups, bei denen man Punkte sammeln konnte für den finalen World-Cup. Die World Cup Saison ging damals immer über 2 Jahre, der folgte das Finale, an dem die besten Einzel- und Synchronturner/innen den World Cup Sieger ermittelt haben. Im Jahr 2000 gewannen Stefan Reithofer (ehemals TSV Turnerbund München e.V.) und Michael Serth (TV Schaafheim) den World-Synchron-Cup in Dessau. Stefan hatte hier schon das Startrecht für Bad Kreuznach.

Es gibt bei einer WM Trampolin Einzel, Synchron, Doppelmini Einzel und Tumbling Einzel, zudem noch die Mannschaften im Trampolinturnen, Doppelmini und Tumbling. Für das Mannschaftsfinale können sich nur die 5 besten Mannschaften qualifizieren, die im Einzelvorkampf ermittelt werden. Pro Nation dürfen 4 Wettkämpfer im Vorkampf turnen und die besten 3 Ergebnisse werden zum Mannschaftsergebnis zusammengezählt. Im Mannschaftsfinale dürfen dann nur noch 3 Springer pro Nation turnen ohne Streichwertung.


Die Deutschen Trampolinmeisterschaften und die Bundesliga finden jährlich statt. Qualifizieren muss man sich über verschiedene Wettkämpfe z.B. bei Cups, Pokalwettkämpfen oder Bayerischen Meisterschaften.

 


Zeitreise

1928
George Nissen und Larry Grisworld entwickeln das 1. Trampolin.

1939
Nissen entwickelt das Trampolin weiter zu dem „modernen“ Trampolin

1941
- eröffnete Nissen zusammen mit Laurens/Larry Griswold die Firma Griswold-Nissen in Iowa/USA.
  Der Verkauf der Geräte ging sehr schlecht. Griswold stieg schnell wieder aus.
- Griswolds Interesse am Trampolin blieb, trotz Ausstieg aus der Firma und er schrieb das erste Lehrbuch.

1939 – 1945
Zweiter Weltkrieg, Georg Nissen diente bei der Navy. Hier wurden die Trampoline bei der Luftorientierung innerhalb der Pilotenausbildung verwendet.

1945
wurde das Gerät auch von den Kunstturnern zu Trainingszwecken genutzt.

1947
fand in Dallas/Texas der erste Wettkampf statt.

1948 
Hurtmanns, geboren 1912 in Süchteln, baut seine eigene Wurfmaschine. Die Geschichte von Albrecht Hurtmanns Wurfmaschine beginnt im mittelalterlichen Spanien. Dort baute ein französischer Zirkusartist namens „du Trampoline“ ein Sprunggerät, dessen unzählige Nachahmungen heute noch seinen Namen tragen. Als Luftakrobat hatte er das Fangnetz der Trapez- und Hochseilkünstler zu einem Schleuderbrett für federnde Absprünge weiterentwickelt. Er wurde somit der tatsächliche Namensgeber für Trampoline. Der 1912 geborene Süchtelner Albrecht Hurtmanns hatte beim Besuch einer Zirkusvorstellung die kunstvollen Sprünge, Drehungen und Überschläge der amerikanischen Artisten bewundert und war sofort von dieser scheinbar schwerelosen Art zu fliegen fasziniert. Der Gedanke, eine eigene „Wurfmaschine“ zu bauen, ließ ihn fortan nicht mehr los. Da die finanziellen Mittel fehlten, verabredete man sich mit Freunden, heimlich mit Beil und Säge bewaffnet, im Schutze der Dunkelheit in die Süchtelner Höhen (nähe Krefeld), um das Holz für den Rahmen zu schlagen. Auf Fahrrädern brachte man es in die Werkstatt, und dann verwirklichte Hurtmanns seinen mühevollen Traum. Nachdem der Holzrahmen fertiggestellt und das dazugehörige Sprungnetz aus Schnüren gestrickt war, brauchte man nur noch Autoschläuche in dünne Streifen zu schneiden, um alles auf Zug und Spannung zu bringen. Doch dies war einfacher gesagt als getan. Das passende Werkzeug gab es nicht, man musste improvisieren. Oft war dies blutig und schmerzhaft. Aber das Werk wurde vollendet.  Die erste Wurfmaschine war fertig! Doch die amerikanische Entwicklung des Nissen-Trampolins entwickelte sich sehr rasant und unaufhaltsam.


1953
- Dr. Heinz Braecklein, man nannte ihn später den  „Vater des Trampolinspringens in Deutschland“ und  Mitarbeiter aus der  Sporthochschule Leipzig  konstruieren und planen auch an einem Trampolin. Es soll als Trainingshilfe beim Turmspringen    dienen.

1955
- kam das erste Trampolin  in die Schweiz
- konstruierte Alfred Gockel aus Altenessen zunächst sein erstes, instabiles Modell aus Holz. Aber auch dieses Gerät war keine Konkurrenz zum Nissen-Gerät.

1956
George Nissen eröffnet eine Trampolin-Fabrik in England

1957
setzte sich Georg Nissen für die Verbreitung in Europa ein und erstellte das erste Lehrbuch mit Richtlinien und Regeln, allerdings in englischer Sprache.

1958
- Turnfest München.
- Georg Nissen stellt sein erstes professionelles, aber instabiles Holzmodell vor.
- es begann die Zeit „Träume vom Fliegen“ zu verwirklichen.
- zu Ehren von Georg wurde auch ein Wettkampf nach ihm benannt. "Der Nissen-Cup." Beim Nissen-Cup in der Schweiz war  der TBM früher auch regelmäßig vertreten.
- fanden die ersten Meisterschaften in England statt. Kurt Bächler aus der Schweiz und Ted Blake aus Großbritannien waren die europäischen Trampolin-Asse. Sie sorgten dafür, dass in England 58 der erste Wettkampf stattfinden konnte.

1959
- erklärte der Internationale Turnerbund die Sportart als "eigenständig"!
- der erste offizielle Wettkampf in Deutschland fand in der Uni Freiburg und der Deutschen Sporthochschule in Köln statt.
- in Zürich findet mit dem Zürich Cup der erste europäische Wettkampf statt

1960
- Gründung der Firma Hack (heute Eurotramp) in Göppingen
  Der TBM besitzt aktuell 3 Großgeräte und ein Doppelmini von Eurotramp
- setzte sich Braecklein in Deutschland für die Verbreitung ein.
- der DTB gibt die ersten nationalen Wettkampfbestimmungen heraus.
- die Sprünge werden in A-, (gestreckt)  B- (gebückt) und C- (gehockt) Teile unterteilt.
- die Haltungswertung geht einfach in das Ergebnis der Übung ein.
- in Frankfurt werden die ersten Übungsleiter im Trampolinturnen ausgebildet.
- fand die erste Deutsche Einzelmeisterschaft in Frankfurt statt
- fand die erste Deutsche Mannschaftsmeisterschaft in Coburg statt.

1964
- fand die erste Weltmeisterschaft in London statt
- fand die erste Deutsche Synchronmeisterschaft in Neunkirchen statt.
- die Schwierigkeitsgrade für die einzelnen Sprünge werden festgelegt.
- wurde in Frankfurt der Internationale Trampolin Verband (FIT) gegründet, ebenfalls der spätere DTB (Deutscher Turnerbund).

1965
 erste Weltmeisterschaft im Synchronturnen in London

1966
Trampolinturnen wird eigenständiges Fachgebiet im DTB.

1967
- Bildung des ersten Deutschen Bundeskaders
- Einführung der Leistungsklassen für alle Altersklasse

1968
- Gründungsjahr der Trampolinabteilung beim TSV Turnerbund München
- Trampolinturnen wird als Sportart bei den Turnfestmehrkämpfen beim Deutschen Turnfest in Berlin zugelassen

1969
erste Europameisterschaften in Paris im Einzel- und  Synchronturnen.Der Engländer, Paul Luxon (gestorben 2004), er war später Trainer im Landesleistungszentrum in München, gewann die ersten Europameisterschaften im Einzelturnen. Bei den Damen gewann Ute Czech aus Salzgitter für Deutschland. Paul und Ute heiraten später. Stefan Reithofer wurde von Paul im Landesleistungszentrum trainiert. 

1973
- Erste Bundesliga
- Deutsches Turnfest in Stuttgart. Erstmalig nimmt die Trampolinabteilung an dieser Sportveranstaltung teil.
  Die TBM Volleyballer fahren auch mit.
- verkaufte Georg Nissen seine Firma
  Der TBM hatte noch Jahre danach ein Nissen-Trampolin. Es ist / war kleiner als das heutige Trampolin.
  Eine gute Höhe auf diesen Geräten zu erzielen, war ein Kraftakt und heute nicht mehr vorstellbar.

1975
Ein tragisches Unglück überschattete den Turnerbund und besonders die Trampolinabteilung. Die 22 jährige Beate Lauer verunglückt bei der Heimfahrt von einem Lehrgang von Straubing mit ihrem Auto. Ihre Mitfahrer, Andrea Melzer, Doris Pfaffel und Birgit Zartner, wurden schwer verletzt. Doris Pfaffel war im A-Kader des Bayerischen Turnerverbandes. Doris war Bayerische Synchronmeisterin und hatte mehrere Länderkampfeinsätze bestritten. Andrea Melzer wurde später Trainerin. Birgit Zartner ist weiter erfolgreich in Bayern Trampolin gesprungen. Später half Birgit bei Trainerengpässen in der Abteilung aus. 

1975
wurde das Doppelminitrampolin eingeführt.

2000
Trampolinturnen ist nun eine olympische Disziplin. Austragungsort: Sydney .Unter den Zuschauer war auch Georg Nissen.
- Michael Serth, (TV Schaafheim)  war der erste deutsche Teilnehmer. Er belegte Rang 9.
  Michael kennen einige Münchner aus dem Landesleistungszentrum. Er war viele Jahre der
  Synchronpartner / Konkurrent / Freund von unserem Stefan. 

2000
Einführung des Basisscheines / Vorturnerausbildung

2004
Olympische Spiele in Athen
- Gold für  Anna  Dogonadze (MTV Bad Kreuznach)
  In Europa gibt es eine sog. Hall of Fame. In NISH Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte e.V.
  in Hannover, hier wurde Anna als erste Deutsche für ihre Siege bei Einzelwettbewerben, wie
  Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und die Olympischen Spiele, aufgenommen.
- Bronze für Henrik Stehle (TGJ Salzgitter)
  Anna ist / war die Vereins- und Trainingskollegin von unserem Stefan Reithofer in Bad Kreuznach.
 
2005
Erstmalig fanden die Deutsche Mannschaftsmeisterschaften der Landesturnverbände Trampolinturnen (LTV-Pokal) in Willich statt.

2016
Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hat sich kein Deutscher Springer für den Wettkampf qualifiziert. Bei den Damen ging Leonie Adam von Stuttgart für Deutschland an den Start und belegt Platz 10.

 

 Angaben ohne Gewähr                                                                                                Ingrid Braun